
Regional übliches Entgeltniveau 2027:
Die aktuellen Werte für Pflegedienste
Das RÜE 2027 steht fest
Die am 30. September 2026 veröffentlichten Werte zeigen, welche Stundenentgelte und pflegetypischen Zuschläge in den einzelnen Bundesländern für die Entlohnung von Pflegekräften maßgeblich sind.
Für ambulante Pflegedienste sind die Zahlen besonders wichtig. Sie helfen dabei, die eigene Vergütungsstruktur einzuordnen, Personalkosten realistisch zu kalkulieren und die Wirtschaftlichkeit des Betriebs zu überprüfen.
Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Auch die Qualifikation der Mitarbeitenden spielt eine wichtige Rolle.
Regional übliches Entgeltniveau 2027:
Die wichtigsten Ergebnisse
Die aktuellen Werte unterscheiden sich je nach Bundesland und Beschäftigtengruppe. Ein Überblick über die wichtigsten Zahlen:
- Hamburg: Mit 25,42 €/h liegt das regionale Entgeltniveau über alle drei Beschäftigtengruppen hinweg am höchsten.
- Mecklenburg-Vorpommern: Hier liegt der Gesamtwert bei 23,56 €/h und damit bundesweit am niedrigsten.
- Pflegefachpersonal: Die höchsten Werte erreicht Hamburg mit 29,11 €/h.
- Pflegeassistenzpersonal: Nordrhein-Westfalen liegt mit 24,13 €/h an der Spitze.
- Hilfspersonal: Bremen weist mit 21,37 €/h den höchsten Wert aus.
Die Unterschiede bleiben damit ein wichtiger Faktor für die betriebliche Planung. Pflegedienste dürfen ihre Entgelte nicht allein anhand eines bundesweiten Durchschnitts beurteilen.
Regional übliches Entgeltniveau nach Bundesland:
Hamburg liegt vorn
Beim regional üblichen Entgeltniveau über alle drei Beschäftigtengruppen hinweg ergeben sich folgende Spitzenwerte:
| Bundesland | Entgeltniveau pro Stunde |
|---|---|
| Hamburg | 25,42 € |
| Nordrhein-Westfalen | 24,96 € |
| Baden-Württemberg | 24,87 € |
| Sachsen-Anhalt | 24,53 € |
| Bremen | 24,52 € |
Am unteren Ende der Übersicht stehen Mecklenburg-Vorpommern mit 23,56 €/h und Thüringen mit 23,59 €/h.
Zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Gesamtwert liegen somit 1,86 €/h.
Im Vergleich zur vorherigen Übersicht sind die regional üblichen Entgeltniveaus in allen Bundesländern gestiegen. Die aktuellen Daten zeigen außerdem, dass sich die Werte der Bundesländer zunehmend annähern.
Was bedeutet das für Pflegedienste?
Die regionalen Unterschiede sollten bei der Personalplanung und bei betriebswirtschaftlichen Vergleichen berücksichtigt werden. Besonders bei der Bewertung der eigenen Personalkosten ist es sinnvoll, den Standort und die Zusammensetzung des Teams einzubeziehen.
RÜE 2027 nach Qualifikation
Die Gesamtwerte sagen noch nicht alles aus. Je nach Qualifikation unterscheiden sich die regionalen Entgeltniveaus teilweise deutlich.
| Beschäftigtengruppe | Höchster Wert | Niedrigster Wert |
|---|---|---|
| Hilfspersonal | Bremen: 21,37 €/h | Mecklenburg-Vorpommern: 20,33 €/h |
| Pflegeassistenzpersonal | Nordrhein-Westfalen: 24,13 €/h | Mecklenburg-Vorpommern: 21,96 €/h |
| Fachpersonal | Hamburg: 29,11 €/h | Sachsen: 27,18 €/h |
Die Übersicht unterscheidet drei Gruppen:
- Hilfspersonal: Pflege- und Betreuungskräfte ohne mindestens einjährige Berufsausbildung.
- Pflegeassistenzpersonal: Pflege- und Betreuungskräfte mit mindestens einjähriger Berufsausbildung.
- Fachpersonal: Pflege- und Betreuungskräfte mit mindestens dreijähriger Berufsausbildung.
Für Pflegedienste ist diese Unterscheidung entscheidend. Die eigene Personalkostenstruktur hängt nicht nur vom Standort ab, sondern auch davon, wie viele Mitarbeitende den jeweiligen Qualifikationsgruppen angehören.
Ein Vergleich allein anhand des Gesamtwerts kann deshalb zu falschen Schlussfolgerungen führen.
Regional übliches Entgeltniveau 2027:
Zuschläge berücksichtigen
Neben den Stundenentgelten beeinflussen auch Zuschläge für Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit die Personalkosten. Die regionalen Durchschnittswerte unterscheiden sich je nach Bundesland und Zuschlagsart.
Für Pflegedienste ist entscheidend, diese Zuschläge bei der Kostenplanung realistisch einzukalkulieren. Dabei spielen sowohl die geltenden Regelungen als auch die tatsächliche Häufigkeit entsprechender Einsätze eine wichtige Rolle.
Was bedeutet das RÜE für die Wirtschaftlichkeit?
Die neuen Werte sind ein wichtiger Anlass, die eigene Kostenstruktur zu überprüfen. Gerade ambulante Pflegedienste müssen Personalkosten, Tourenplanung und Erlössituation gemeinsam betrachten.
Vier Punkte helfen bei der Einordnung:
1. Eigene Entgelte überprüfen
Vergleichen Sie die aktuellen Stundenentgelte Ihres Pflegedienstes mit den regionalen Werten. Betrachten Sie dabei jede Beschäftigtengruppe getrennt.
2. Zuschläge realistisch kalkulieren
Berücksichtigen Sie Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit entsprechend der tatsächlichen Einsatzplanung. So lassen sich die Personalkosten genauer einschätzen.
3. Gesamte Personalkosten betrachten
Neben den Stundenentgelten spielen weitere Personalaufwendungen, die Arbeitszeitgestaltung und die Auslastung eine Rolle. Erst die Gesamtbetrachtung zeigt, wie wirtschaftlich die aktuelle Personalstruktur ist.
4. Vergütungs- und Refinanzierungsbedingungen prüfen
Beziehen Sie die geltenden gesetzlichen Regelungen und die für Ihren Pflegedienst maßgeblichen Vergütungsvereinbarungen in die Bewertung ein. So können Sie besser beurteilen, ob Ihre Kostenstruktur langfristig tragfähig ist.
Wichtig: Regional übliches Entgeltniveau ist nicht gleich Mindestlohn
Die regional üblichen Entgeltniveaus sind nicht mit einer pauschalen Vorgabe gleichzusetzen, nach der jeder Pflegedienst exakt den ausgewiesenen Stundenwert zahlen muss.
Für nicht tarifgebundene Pflegeeinrichtungen hat das regionale Entgeltniveau eine besondere Bedeutung im Rahmen der Wirtschaftlichkeitsprüfung nach § 82c SGB XI. Unter den dort genannten Voraussetzungen können bestimmte Personalaufwendungen bis zu einer Überschreitung des regional üblichen Entgeltniveaus um 10 Prozent nicht als unwirtschaftlich abgelehnt werden.
Die konkrete rechtliche Bewertung hängt vom jeweiligen Fall und den geltenden Regelungen ab.
Weitere Informationen bietet § 82c SGB XI.
Fazit: RÜE 2027 in der Pflege – Tarifwechsel prüfen
Die regionalen Unterschiede bei Entgelten und Zuschlägen machen deutlich: Pflegedienste sollten ihre Personalkosten regelmäßig überprüfen und an die aktuellen Rahmenbedingungen anpassen. Dabei kann sich auch ein Wechsel in einen anderen Tarifvertrag lohnen.
Ob ein Tarifwechsel wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt unter anderem von den Stundenentgelten, Zuschlägen, Sonderzahlungen und den geltenden Refinanzierungsbedingungen ab. Eine individuelle Wirtschaftlichkeitsbetrachtung hilft dabei, die Auswirkungen auf die gesamte Personalkostenstruktur realistisch einzuschätzen.
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💡 Weiterführender Tipp:
Krankenstand im Pflegedienst nachhaltig senken
Die geplante Teilkrankschreibung zeigt, wie sensibel die Themen Personalausfall und Dienstplanung in der Pflege sind. Um Personalausfälle gar nicht erst entstehen zu lassen und verbliebene Kapazitäten optimal zu nutzen, braucht es strukturierte Prozesse im betrieblichen Gesundheits- und Ausfallmanagement.
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